07.07.2019 - Challenge Roth

Wettkampf der Generationen in Roth

Magenprobleme, Verkehrsstau am Morgen und einen Heiratsantrag nach dem Zieleinlauf. Unsere vier Challenge-Roth-Finisher Markus Stein, Matthias Köberlein, Lina Minejewa und Simon Deckert haben so einiges erlebt. Es war schon eine illustre Runde, mit der ich mich am 24.07.2019 im Biergarten der 12 Götter traf. Rund zwei Wochen zuvor hatten Markus Stein, Matthias Köberlein, Lina Minejewa und Simon Deckert allesamt die Challenge Roth in beachtlichen Zeiten gefinished.

Um ehrlich zu sein, bin ich im Gegensatz zu anderen Interviews etwas blauäugig bzw. unvorbereitet in dieses gegangen. Es entwickelte sich dennoch ein Gespräch der ganz anderen Art, was mich in die Faszination dieses Sports eintauchen ließ.

3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42 Kilometer laufen. Wie hat Vater mal gesagt: „Das hab‘ ich auch schon mal gemacht. Halt über vier Wochen verteilt.“ Unsere vier Athleten zogen es jedoch vor, die drei Disziplinen aneinander gereiht in rund zwölf Stunden zu absolvieren. Markus und Matthias hatten in den vergangenen 25 Jahren bereits mehre Langdistanzwettbewerbe absolviert. Für Lina und Simon sollte der Start in Roth der Erste über die gesamte Distanz sein.

„Vor 25 Jahren war es noch Punk. Da wusste man gar nicht, was einen erwartet. So wie heute, mit Pulsmessen oder so, gab es damals nicht.“, antwortete Matthias auf die Frage, ob einem die Erfahrung hilft. „Dennoch merkt man, dass man mit konsequenter Trainingsplanung die Leistungsfähigkeit halten kann.“ Matthias hatte etwa 11:50 Stunden gebraucht, was circa 20 Minuten schneller war als bei seiner Premiere.

Wobei das mit dem Training so eine Sache ist: Während Simon rund 15 Stunden pro Woche trainierte, bereiteten sich Matthias und Lina rund elf Stunden in der Woche vor. Den Großteil der Einheiten absolvierte das Paar gemeinsam.

Markus Stein begnügte sich hingegen mit durchschnittlich sechs Stunden Trainingsaufwand und war seit Mitte Mai nicht mehr Schwimmen. „Wenn ich überlege wie viel ich Schwimmen müsste, um dann vielleicht fünf Minuten schneller zu sein. Da fahre ich lieber Fahrrad oder gehe laufen. Das bringt dann mehr.“ Kann man mal machen bei 3,8 Kilometern.

Auch mit der Ernährung nahmen es unsere Vertreter nicht ganz so genau. Simon bekämpfte nächtliche Heißhungerattacken durchaus mal mit einem Besuch im McDonald’s und auch Lina und Matthias wichen doch das ein oder andere Mal von ihrem Grundsatz, nur ein Bier die Woche zu trinken, ab. „Als die Nachricht kam, dass wir mit Neoprenanzug schwimmen können, bin ich erstmal an den Kühlschrank und habe uns zwei Bier geholt.“ Nichts desto trotz bedeutet eine neunmonatige Vorbereitung massive Einschränkungen. Gerade ihre sozialen Kontakte hatten in der Vorbereitungszeit sehr gelitten, was alle Beteiligten jetzt wieder aufholen wollen. Auch die Trainingsumstellung auf die Langdistanz hinterließ Spuren. „Ich bin ja schon oft bei Kurz- und Olympischen Distanzen gestartet. Da bist du nach jeder Trainingseinheit platt. Bei der Langdistanz sind die Einheiten nicht so intensiv und du denkst dir nach dem Training oft: toll und das war es jetzt. Dir fehlt da dieser Pump“, so Simon über seine Erfahrungen zum mehrmonatigen Langdistanztraining.

Beim Wettbewerb hatte jeder so seine eigenen Erfahrungen gemacht. Alles andere als rund lief es beispielsweise bei Markus Stein: Dieser hatte mit Magenproblemen zu kämpfen und konnte teilweise nur gehen. Dennoch absolvierte er die Strecke etwas über zwölf Stunden. Simon Deckert hatte sich morgens mit der Zeit etwas verschätzt und das mit der Challenge verbundene Verkehrschaos vergessen. Dies endete darin, dass er die letzten 12 Kilometer nicht wie geplant in seinem Auto, sondern auf dem Rennrad seiner Freundin absolvierte, um seine Wechselbeutel gerade noch rechtzeitig um 06:25 Uhr abzugeben. Um 06:30 Uhr wäre die Annahmezeit vorüber und das Rennen für Simon vorzeitig beendet gewesen. Der Vorteil war jedoch, dass durch die Erleichterung seine Nervosität verflogen war. Lina machte eine Erfahrung der ganz anderen Art: Sie genoss das Rennen in vollen Zügen. „Es hat alles gepasst. Ich wusste, dass ich es schaffe. Ich war gut vorbereitet. Das Wetter war perfekt. Klar tat es weh, aber es tut allen weh. Du kannst einfach weiterlaufen.“ Mit diesen Gedanken und einem Lächeln auf den Lippen verzauberte sie offensichtlich auch die Zuschauer in Mittelfranken. Immer als sie an einer Gruppe vorbeikam, freuten sich diese und riefen ihren Namen. Matthias hingegen hielt in der zweiten Wechselzone ein Schwätzchen mit einer etwas reiferen Helferin über Gott und die Welt. Nach seinem Zieleinlauf, ganz wichtig 2 Sekunden vor Simon, wartete er auf seine Freundin Lina und machte ihr schließlich einen Heiratsantrag. „Hätte sie nicht gefinished, hätte ich die Oma aus der Wechselzone geheiratet.“, fügte er mit einem Schmunzeln hinzu.

Allen war die Freude gemein, den Wettbewerb beendet zu haben. Nun rücken wieder mehr andere Dinge in den Mittelpunkt als der Sport. Es ist eine beachtliche Leistung und alle genießen meine volle Bewunderung. Es dürfte bei allen nicht die letzte Teilnahme an einer Langdistanz gewesen sein. Gerade, wenn sie über die Rahmenbedingungen in Roth sprachen, leuchteten ihre Augen. Jeder, der schon einmal dort war, weiß, dass in dem verschlafenen Nest in Mittelfranken bereits Wochen vorher Ausnahmezustand herrscht. Auch die unzähligen freiwilligen Helfer und rund 250.000 Zuschauer machen den Wettbewerb zu einem einmaligen Erlebnis. Ob Profi oder Amateur, jeder wird nach besten Möglichkeiten unterstützt und angefeuert.